Blick hinter die Kulissen: Was Besuchende bei den Musikfestwochen nicht sehen
01. Oktober 2026

Als Partner der Winterthurer Musikfestwochen durften wir dieses Jahr einen besonderen Blick hinter die Kulissen des Festivals werfen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden genossen wir eine exklusive Führung über das Festivalgelände und liessen den Abend bei bester Musik ausklingen. Dabei wurde rasch sichtbar: Hinter zwölf Tagen Festival steckt weit mehr, als Besuchende auf den ersten Blick wahrnehmen.
Warum die Musikfestwochen das ganze Jahr über beschäftigen und welche beeindruckende Arbeit hinter dem Festival steckt, erzählt Nik Müller-Crepon, Co-Geschäftsleiter der Winterthurer Musikfestwochen, in diesem Blogbeitrag.
Eine Frage hören wir immer wieder: «Macht ihr diesen Job eigentlich das ganze Jahr über?» Ich verstehe, woher die Frage kommt. Wer die Musikfestwochen besucht, erlebt zwölf Tage Festival. Bühnen, Konzerte, Menschen, Essen, Trinken, Begegnungen. Und irgendwann geht man nach Hause und denkt vielleicht: Das war’s.
Für uns natürlich nicht. Kaum ist das letzte Konzert vorbei, beginnt eigentlich schon die nächste Runde. Denn hinter diesen zwölf Tagen steckt ein ganzer Jahresrhythmus und erstaunlich viel Arbeit, die man während des Festivals kaum zu Gesicht bekommt.
Die Arbeit beginnt, wenn das Festival endet
Nach dem letzten Konzert ist erst einmal durchatmen angesagt. Aber nicht für lange. Im Herbst setzen wir uns zusammen, schauen zurück, werten aus, diskutieren, was gut funktioniert hat und wo wir noch besser werden können. Danach geht es direkt weiter: Budgetplanung, Bewilligungen, Personal, Prozesse, neue Ideen, Absprachen und ziemlich viele Sitzungen. Winter und Frühling sind bei uns deshalb keineswegs Winterschlaf.
Die Musikfestwochen funktionieren ein bisschen wie ein riesiges Uhrwerk. Viele kleine Zahnräder greifen ineinander, jedes Ressort hat seine Aufgaben, und am Ende muss alles gleichzeitig funktionieren. Genau diese Detailarbeit sieht man als Besuchende kaum. Und vielleicht ist das sogar ein gutes Zeichen.
Nik Müller-Crepon
Co-Director Winterthurer Musikfestwochen
«Hinter jeder Bühne, jedem Konzert und jedem besonderen Moment steckt ein ganzes Jahr voller Menschen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen.»
Beeindruckende Zahlen. Noch beeindruckender: die Menschen dahinter.
Ein paar Zahlen zeigen, welche Dimension hinter dem Festival steckt:
- 60'000 Besuchende
- 30'000 Stunden Freiwilligenarbeit von
- 1'200 freiwillige Helfende
- 228 Partnerschaften
- 129 Programmpunkte
- 14 Bühnen
- 12 Tage Festival, 9 davon kostenlos
Dazu kommen drei Wochen Aufbau, zwei Wochen Abbau und ein Organisationsmodell, das mich als neu zugezogene Person besonders beeindruckt hat. Neben dem siebenköpfigen Büroteam, das sich insgesamt 420 Stellenprozente teilt, basiert praktisch das gesamte Festival auf freiwilligem Engagement. Ein achtköpfiger Vorstand, rund 50 OK-Mitglieder und über 1'200 Helfende tragen gemeinsam den Grossteil der Arbeit.
Was mich besonders fasziniert: Wie eingespielt dieses System funktioniert. Die einzelnen Ressorts arbeiten unglaublich selbstständig, Entscheidungen greifen ineinander und vieles läuft dank jahrelanger Erfahrung erstaunlich reibungslos. Dieses Jahr liegt bereits die 51. Ausgabe hinter uns und genau diese kontinuierliche Weiterentwicklung spürt man in jedem Bereich.

Backstage tour
Ein Festival mitten in der Stadt
Die Musikfestwochen haben keine Festivalwiese irgendwo ausserhalb der Stadt. Unser Festival findet mitten in der Winterthurer Altstadt statt. Und genau das macht einen grossen Teil des Zaubers aus. Aber eben auch der Arbeit: Wir sprechen uns mit Anwohnenden, Gewerbe, Marktbetreibenden, Behörden und unzähligen Partner:innen ab. Wir reagieren auf Wetterumschwünge, Hitze, technische Herausforderungen und Dinge, die man vorher schlicht nicht planen kann. Manchmal ist es eine Kleinigkeit, die plötzlich ziemlich gross wird. Und manchmal verändern sich die Dinge ganz langsam.
Ein schönes Beispiel dafür ist unser Mineralwasser: 2026 wurden mehr als 5’300 Liter Wasser mit Kohlensäure verkauft. 2023 waren es noch rund 3’700 Liter. Gleichzeitig geht der Alkoholkonsum seit einigen Jahren spürbar zurück.
Solche Veränderungen sind vielleicht nicht das Erste, woran man bei einem Festival denkt. Für uns sind sie aber wichtig. Denn sie zeigen, dass sich ein Festival mit seinem Publikum verändert und dass wir genau hinschauen müssen.
Wann es richtig hektisch wird
Druck gibt es bei den Musikfestwochen in ganz unterschiedlichen Formen. Für das Infrastruktur-Team geht es beispielsweise drei Wochen vor Festivalbeginn richtig los. Dann steht der Aufbau an und der Zeitplan ist eng. Beim Booking wiederum muss man jederzeit damit rechnen, dass etwas dazwischenkommt. Auch dieses Jahr mussten wir zwei Acts ersetzen, zum Glück keine Headliner.
Der grösste gemeinsame Druck entsteht aber durch etwas ganz anderes: unseren Jahresrhythmus. Alle arbeiten auf diese zwölf Tage hin. Und vieles, was während des Festivals auffällt, lässt sich nicht einfach nächste Woche ändern. Die nächste Woche gibt es nämlich nicht. Dann ist das Festival vorbei. Deshalb sind die Monate davor so wichtig. Solange wir vorbereiten, können wir überlegen, diskutieren, ausprobieren und Lösungen finden.
Und dann geht’s los. Ab diesem Moment sind wir im Festivalmodus. Dann geht es weniger ums Planen und mehr ums Reagieren. Irgendetwas passiert immer. Die Frage ist nur, was.
Und was hilft dann?
Ganz einfach: Teamwork.
Bei den Musikfestwochen hilft man sich auch dann, wenn etwas eigentlich gar nicht im eigenen Aufgabenbereich liegt. Da diskutiert plötzlich jemand an einem Eingang mit einem enttäuschten Gast, der nicht mehr aufs Gelände kommt. Jemand anderes macht den letzten Rundgang vor Ausschankschluss. Und irgendwo muss ganz nebenbei noch Nachschub organisiert werden. Alle ziehen in dieselbe Richtung.
Gerade dann merkt man, wie wichtig gegenseitiges Verständnis und offene Kommunikation sind. Und gleichzeitig passiert etwas Schönes: Man weiss, wofür man das alles macht. Wenn man sieht, wie wichtig die Musikfestwochen für Winterthur sind und mit wie viel Herzblut sich so viele Menschen engagieren, entsteht ein ziemlich grosses Verantwortungsgefühl. Das trägt einen auch durch die intensiveren Momente.
Der Moment, wenn alles aufgeht
Es gibt einen Augenblick, der jedes Jahr aufs Neue besonders ist. Das Konzert beginnt. Die Leute kommen zusammen. Die Musik geht los. Und plötzlich funktioniert alles. Was vorher monatelang aus Mails, Sitzungen, Plänen, Telefonaten, Entscheidungen, Aufbauarbeiten und tausend kleinen Handgriffen bestanden hat, steht auf einmal vor einem. Auf der Bühne und davor. Dann wird sichtbar, worauf hunderte Menschen hingearbeitet haben.
Das ist ein unglaubliches Gefühl. Überall sind Menschen unterwegs, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass genau dieser Moment möglich wird. Und plötzlich sind all die kleinen Zahnräder ein grosses Ganzes. Vielleicht spürt man das gegen Ende des Festivals sogar am stärksten. Wenn die Energie eigentlich längst aufgebraucht ist und man trotzdem noch nicht nach Hause möchte. Weil man gerade mit all den Menschen, die diesen besonderen Kosmos mit aufgebaut haben, mittendrin ist.
Mehr als zwölf Tage
Ich bin unglaublich dankbar und stolz, bei den Musikfestwochen mitwirken zu dürfen. Ich wusste natürlich schon vorher, welche Bedeutung dieses Festival für Winterthur hat. Aber erst hinter den Kulissen habe ich verstanden, wie viel tatsächlich dahintersteckt. Wie viele Menschen ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Energie investieren, damit diese zwölf Tage überhaupt stattfinden können.
Und genau das finde ich so besonders, alle können Teil davon werden.
Man kann seine eigenen Stärken einbringen, Verantwortung übernehmen, Neues lernen, Menschen kennenlernen und Teil einer Gemeinschaft werden, die weit über die zwölf Festivaltage hinausgeht. Vielleicht ist das am Ende das Schönste an den Musikfestwochen: Hinter jeder Bühne, jedem Konzert und jedem besonderen Moment steckt ein ganzes Jahr voller Menschen, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Etwas, das grösser ist als jede einzelne Person. Und das dann für zwölf Tage der ganzen Stadt gehört.








